15.10.2017

Die Muskeln brannten höllisch, die Freude über den perfekten Saisonabschluss ließ aber allen Schmerz schnell vergessen. Der Deutschland-Achter siegte bei der 12,7-Kilometer-Langstrecke auf dem Nord-Ostsee-Kanal mit einem Zehn-Sekunden-Vorsprung vor den USA und triumphierte beim 17. Schleswig-Holstein Netz Cup in Rendsburg zum Ende der Saison ohne eine einzige Niederlage.

Martin Sauer, Felix Wimberger, Richard Schmidt, Malte Jakschik, Jakob Schneider, Laurits Follert, Maximilian Planer, Torben Johannesen und Johannes Weißenfeld dominierten die Heimregatta im Norden Deutschlands in beeindruckender Manier. Schließlich gelang ihnen das Triple aus dem Sieg beim Ergo-Cup am Freitag, beim Sprint-Cup am Samstag und eben bei der Langstrecke am Sonntag. Hier wurde der Weltmeister seiner Favoritenrolle gerecht und setzte sich zwei Wochen nach den Titelkämpfen in Sarasota (Florida) in einem harten Kampf gegen den US-Achter durch. Großbritannien belegte den dritten Platz vor dem Boot aus den Niederlanden.

Die Recken aus dem Deutschland-Achter, die nach dem Sieg beim Ergo-Cup am Freitag die Startposition als Erste auswählen durften und die Außenbahn auf der Backbordseite nahmen, gingen das Rennen offensiv an und erarbeiteten sich schnell eine Führung von einer halben Bootslänge. Diese konnte durch den Vorteil, die erste Kurve auf der Innenbahn fahren zu können, etwas ausgebaut werden. Doch die Amerikaner, die Vize-Weltmeister von Sarasota, ließen nicht locker und setzten einen Angriff nach dem anderen. Erst nach etwa fünf Kilometern gelang es, sich mit mehr als einer kompletten Länge vor das US-Boot zu setzen. Die Vorentscheidung war gefallen, aber die starken US-Boys gaben nicht auf. Bis zur Ziellinie, die der Deutschland-Achter nach 36:57 Minuten überquerte, riss der Kontakt nicht ab. „Hut ab vor den Amerikanern. Sie haben uns alles abverlangt“, sagte Schlagmann Felix Wimberger.

„Ein extrem hartes Rennen“
„Das war ein extrem hartes Rennen. Nach 2.000 Metern hat es schon so unfassbar gebrannt“, beschrieb Torben Johannesen die Leiden der Ruderer. Und Jakob Schneider, der ebenfalls sein Rendsburg-Debüt feierte, ergänzte: „Das war nicht mein härtestes Rennen, aber mit Sicherheit das ekligste Rennen, das ich je gerudert bin. Eklig war der Schmerz, der spätestens nach 1.000 Metern einsetzte. Und nach neun Kilometern fragt man sich: Warum das Ganze?“

Schließlich war der Riesen-Applaus der zahlreich erschienenen Zuschauer im Rendsburger Kreishafen aber die hochverdiente Belohnung für die Mühen und Leiden der Sportler auf dem Wasser. „Das ist eine schöne Veranstaltung, das Wetter war super – letztlich ein geiler Saisonabschluss“, freute sich Maximilian Planer, der inmitten der riesigen Menschentraube schon wieder bei Kräften war und wie seine Mitstreiter fleißig Autogramme schrieb.

Weitere Stimmen:

Bundestrainer Uwe Bender: „Unser Plan ist aufgegangen. Wir wollten uns aus dem Getümmel raushalten und bloß nicht in solche Probleme wie im Vorjahr kommen. Die Amerikaner sind überraschend mitgegangen, aber auf der langen Geraden bei Schülp haben wir uns vorbeigeschoben.“

Martin Sauer: „Wir wollten einem unnötigen Zusammenstoß aus dem Weg gehen. Man hat gemerkt, dass die anderen Boote Respekt vor uns hatten - und so hatten wir genug Platz. Die Amerikaner haben uns bis zum Schluss nicht in Ruhe gelassen.“

Richard Schmidt: „Unser Wille war entscheidend, aber Respekt vor den Amerikanern. Es war beeindruckend, wie zäh und hartnäckig sie draufgeblieben sind und nicht aufgegeben haben. Das war ein hartes Rennen bei einem einzigartigen Ruderevent. Es ist immer wieder faszinierend, nach Rendsburg zu kommen.“

Felix Wimberger: „Entscheidend war, dass wir unsere Taktik voll aufging. Wir konnten den Vorteil der Innenkurve nutzen und haben das Rennen dann von vorne kontrolliert. Die Amerikaner haben aber dann dafür gesorgt, dass wir das Tempo immer hochhalten mussten und auf einem sehr hohen Niveau bis zum Ende bleiben mussten. Der Sieg war schön, aber Spaß hat das nicht wirklich gemacht.“

Maximilian Planer: „Die Amerikaner haben nie locker gelassen, so dass wir vom Kopf nie nachgeben konnten und bis zur Ziellinie hochkonzentriert bleiben mussten.“

Text: Carsten Oberhagemann
Quelle: www.deutschlandachter.de

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