14.03.2014 | 15:39 Uhr

 

 

Paavo Camps ist leidenschaftlicher Ruderer, er ist gerne auf dem Wasser. Doch im Winter, wenn es draußen zu kalt ist, verbringt er viele Stunden auf dem Ergometer. Und misst sich mit anderen: In diesem Jahr wurde er Dritter bei den Deutschen Meisterschaften.

Mit kräftigen Zügen bewegt sich Paavo Camps vor und zurück. Er ist Ruderer – und bewegt sich gerade trotz aller Anstrengung keinen Meter vom Fleck. Denn Paavo Camps gehört seit ein paar Jahren zu den besten Ergometer-Ruderern in Deutschland.

 

 

Das Ergometer ist eigentlich ein Trainingsgerät, auf dem Ruderer im Winter an Kraft und Kondition arbeiten. Es simuliert die Bewegung beim Rudern, ist jedoch aus Metall und steht im Trainingsraum. „Ich würde schätzen, fast 90 Prozent des Wintertrainings findet auf dem Ergometer statt“, sagt Camps. Er ist 18 Jahre alt, seit er 14 ist, rudert er. Eigentlich auf dem Wasser, beim RC Westfalen Herdecke. Doch der Verein fährt außerhalb der Saison in unregelmäßigen Abständen nach Starnberg: Dort findet in einem großen Saal im Rathaus die deutsche Meisterschaft im Ergometer-Rudern statt.

 

 

Training ist zeitaufwändig

Eine halbe Stunde lang sitzen die Sportler dort auf den Geräten und rudern. Wer am Ende die weiteste Strecke auf dem Display stehen hat, gewinnt. Im letzten Jahr war Paavo Camps der Beste. Er gewann nicht nur in seiner Altersklasse, sondern wurde auch Gesamtsieger. In diesem Jahr reichte es immerhin für Platz drei: „Ich habe mein Training ein bisschen runtergefahren“, sagt er. Im Moment trainiert er vier Mal in der Woche. Der Waldorfschüler macht in einem Jahr das Abitur, dafür braucht er Zeit. Für jede Trainingseinheit fährt er eine Stunde mit dem Bus aus Witten nach Herdecke, bei mehreren Einheiten in der Woche kommt eine Menge zusammen. „Es wäre natürlich besser, wenn ich mehr trainieren könnte. Aber die Schule ist erst einmal wichtiger“, sagt Camps. Wenn er dann fertig ist, wird er noch einmal gut überlegen: Vielleicht wird er sich für den Hochleistungssport entscheiden. Vielleicht reist er aber auch ein Jahr durch Neuseeland.

 

 

Mentale Kraft ist wichtig

Auch wenn er noch keine klaren Pläne für die Zeit nach dem Abi hat, wirkt Paavo Camps sehr überlegt. Wenn er erzählt, was ihm am Ergometer-Rudern gefällt, wird er energischer. Ist es nicht auf Dauer langweilig, mit aller Kraft zu rudern, dabei gegen eine Wand zu starren und keinen Meter vorwärts zu kommen? Camps muss ein bisschen lachen: „Man schaut vor allem auf das Display. Dort läuft die Zeit, man sieht die zurückgelegten Meter. Das macht den Reiz aus.“ Man kämpfe gegen sich selbst, müsse kontrolliert bleiben. Einfach mit voller Kraft drauflos zu rudern, mache keinen Sinn. „Es ist wie mit dem Auto im Stadtverkehr. Wenn man mal schnell, mal langsam fährt, verbraucht man mehr Sprit, als wenn man ein gleichmäßiges Tempo fährt.“ Sein Sprit, das ist natürlich die Muskelkraft. Doch mindestens genau so wichtig ist die mentale Stärke, der Wille, es bis zum Ende durchzuziehen. „Das ist verdammt hart, auf diesem Ding zu sitzen. Mit jeder Minute wird es härter“, so Camps. Am Ende, wenn die Kraft eigentlich weg ist, muss der Kopf für den Antrieb sorgen. „Da entscheidet sich das Rennen.“ Und wenn es gut läuft, steht Camps dann auf dem Treppchen – ein Sportler, der leidenschaftlich gerne auf der Stelle rudert.

 

Valentin Dornis

 

Quelle: www.derwesten.de

 

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