25.06.2014 | 16:53 Uhr

Der Herdecker Ruderer Johannes Weißenfeld (vorne) beim Aufwärmtraining im Ruder-Olympia-Stützpunkt in Dortmund; Foto: Lutz Großmann

Herdecke/Dortmund. Das Herdecker Rudertalent Johannes Weißenfeld ist zurzeit in bestechender Form. Dies will er auch am kommenden Wochenende unter Beweis stellen, wenn bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften auf dem Beetzsee in Brandenburg an der Havel endgültig die Tickets für die U23-Weltmeisterschaft im italienischen Varese vergeben werden.

Eine Wellnessoase ist das kleine Motorboot nicht. Es ist in die Jahre gekommen und ziemlich eng, aber es tut zuverlässig seinen Dienst. Wir brausen los. Am Steuer sitzt Peter Thiede, am Ruder-Olympiastützpunkt in Dortmund der verantwortliche Trainer für den U23-Bereich.

Es dauert keine zwei Minuten, dann haben wir auf dem Kanal im Dortmunder Hafen, dem Trainingsrevier der Ruderrecken, das Vier-Mann-Boot erreicht. Thiede, der seit 15 Jahren in Herdecke wohnt, gibt über Mikro und Lautsprecher die Kommandos an die Jungs, die in dem schmalen Boot ruhig und gleichmäßig ihre Bahnen ziehen. Warmrudern nennt sich das. Alles sieht geschmeidig und gar nicht anstrengend aus, doch das wird sich ändern. An einer speziellen Marke heißt es „Stop“, ehe das Quartett auf Thiedes Kommando in den Wettkampfmodus schaltet. „Wir simulieren die Startphase“, erklärt der dreifache Weltmeister und vierfache Olympia-Teilnehmer Thiede. 500 Meter, also ein Viertel der Wettkampfdistanz, müssen in vollem Tempo gerudert werden. Der, der im Heck sitzt, gibt den Takt vor. Diese wichtige Aufgabe des Steuermannes obliegt Johannes Weißenfeld, 19-jähriges Rudertalent vom Ruderclub „Westfalen“ Herdecke. Er macht seine Sache auch in dieser Trainingseinheit gut. „Wir haben auf der Schlagposition viel getestet. Die Variante mit Johannes ist die schnellste“, lobt Thiede den blonden Hünen, „immerhin wollen wir der schnellste deutsche Vierer sein.“

Eigentlich sind sie es im U23-Bereich schon. Bei der Regatta in Ratzeburg wurden beide Rennen gewonnen. Im ersten Lauf am Samstag war die Konkurrenz mäßig, am Sonntag folgte gegen stärkere Gegner der zweite Sieg für Weißenfeld und seine Crew mit Maximilian Korge (Berlin), Richard Bensmann (Münster) und Jakob Schneider (Baldeneysee). „Wir wollten zeigen, war wir können und das unser Vierer der Favorit ist“, sagte ein zufriedener Weißenfeld nach dem Wochenende. Ratzeburg war somit eine gelungene Generalprobe für die Deutsche Jahrgangsmeisterschaft, die am Wochenende auf dem Beetzsee in Brandenburg an der Havel ausgetragen wird und bei der endgültig die Tickets für die U23-Weltmeisterschaft vom 23. bis 27. Juli in Varese vergeben werden. Weißenfeld blickt dem nationalen Saisonhöhepunkt zuversichtlich entgegen: „Ich denke, wir haben für die DM noch einiges in petto und versteckte Reserven.“ Seine positive Leistungsentwicklung führt Weißenfeld auf das intensive und gezielte Training am Olympia-Stützpunkt in Dortmund zurück - ob nun auf dem Wasser oder zu Lande. Der Sportsoldat kann sich voll auf den Rudersport konzentrieren.

Den Termin in Italien hat der junge Herdecker fest gebucht, denn er will bei seiner zweiten WM-Teilnahme seine erste Medaille holen: „Ich will endlich Edelmetall in den Händen halten.“ Sein WM-Debüt im vergangenen Jahr endete nämlich mit einer Enttäuschung: Im deutschen U23-Achter reichte es „nur“ zum sechsten Platz, obwohl eine Medaille fest eingeplant war.

Übrigens: Nach gut einer Stunde legt das Begleitboot wieder an. Der Vierer ist immer noch auf dem Wasser unterwegs und trainiert...Der Ruderclub „Westfalen“ Herdecke ist in Brandenburg bei den Deutschen Jugendmeisterschaften mit Felix Zumvenne vertreten. Er hat sich im Vorfeld auf den Testregatten in Hamburg und Köln in guter Form gezeigt. Beim Bundeswettbewerb der Kinder vom 3. bis 6. Juli in Rüdersdorf gehen für den RC „Westfalen“ Herdecke Svenja Heierhoff und Lena Laska an den Start, die sich beim Landesentscheid in Bochum/Witten qualifizierten.

Lutz Großmann 

Quelle: www.derwesten.de

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