15.07.2018


Der Deutschland-Achter hat auch den dritten Weltcup in Luzern gewonnen und das Triple damit perfekt gemacht. Das Finale auf dem Göttersee war bis zum letzten Schlag spannend: Die Australier bissen sich am deutschen Flaggschiff fest, am Ende gab es ein Zielfoto-Finish. Ein hauchdünner Vorsprung von 14 Hundertstel Sekunden sicherte den Sieg und damit auch den Gesamt-Weltcup. „Das war ein Arbeitssieg“, sagte Schlagmann Hannes Ocik erschöpft nach dem Rennen

Das Finale endete ebenso spannend, wie es begonnen hatte. Am Start waren aber die Australier aggressiver und konnten so in Führung gehen. „Vielleicht haben uns die Australier etwas überrascht“, meinte Johannes Weißenfeld. In der Folge entwickelte sich ein spannender Bord-an-Bord-Kampf, dem die restliche Achter-Konkurrenz nur schwer folgen konnte. Zur Hälfte des Rennens lagen beide Boote annähernd gleichauf und erhöhten abermals die Schlagfrequenz.

Schlagabtausch bis zur Ziellinie

Das begeisternde Rennen ging in die entscheidende Phase. Die Crew um Steuermann Martin Sauer erarbeitete sich einen knappen Luftkasten Vorsprung, doch die Australier ließen sich nicht abschütteln und starteten auf den letzten Metern abermals einen Angriff. Der Deutschland-Achter hielt mit voller Kraft dagegen, der dramatische Schlagabtausch setzte sich bis zur Ziellinie fort.

Und so gingen nach dem Finish die bangen Blicke der Ruderer erst einmal zur Anzeigetafel, wo am Ende 14 Hundertstel Sekunden entscheidend waren. Auf Platz drei landeten die Niederlande mit deutlichem Abstand, Vierter wurden die USA. „Der Schlüssel zum Sieg war, dass wir eine eingespielte Truppe sind und alle an einem Strang ziehen, auch wenn wir erschöpft sind. Wir haben die gleiche Vorstellung vom Rudern, das hat uns die entscheidenden Meter im Ziel gebracht“, so Ocik.

Trauerflor in Erinnerung an Roland Baar

Der Deutschland-Achter fuhr bei der Rotsee-Regatta in Luzern mit einem Trauerflor in Erinnerung und zu Ehren von Roland Baar. Der ehemalige Schlagmann des Deutschland-Achters war vor drei Wochen bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Roland Baar führte das deutsche Flaggschiff zu fünf WM-Titeln, gewann mit ihm die olympische Silber- und Bronzemedaille und bestimmte das Bild des Deutschland-Achters maßgeblich.

Vierer: Die Akkus waren leer

Der Vierer ohne Steuermann musste sich mit dem sechsten Platz in einem stark besetzten Finale zufrieden geben. Schon auf dem ersten Streckenabschnitt handelten sich Felix Brummel, Nico Merget, Peter Kluge und Felix Drahotta einen zu großen Rückstand auf die führenden Boote ein. „Bei diesem hochkarätig besetzten Feld sind sie die ersten 500 Meter zu harmlos angegangen“, meinte Bundestrainer Tim Schönberg.

Australien war der Sieg nicht zu nehmen. Auch die Niederländer und Südafrikaner hinterließen einen starken Eindruck. Der deutsche Vierer zog gegen Großbritannien und Russland den Kürzeren. „Das war leider das bisher schlechteste Rennen dieses Vierers. Drei von uns waren müde, die Akkus waren leer. Dadurch sind wir von Anfang an nicht richtig zusammen gerudert. Felix Drahotta fehlte die Unterstützung auf Schlag, die Sprints waren nicht kraftvoll genug“, analysierte Schönberg.

Zweier: Kraftreserven aufgebracht

Auch beim Zweier waren am Ende die Kraftreserven aufgebraucht: Laurits Follert und Paul Schröter kamen im Zweier-B-Finale nicht über Rang fünf hinaus, obwohl sie 500 Meter vor dem Ziel noch in Führung lagen. Doch dann mussten sie die Boote aus Spanien, Kroatien, Irland und Großbritannien noch vorbeiziehen lassen. „Sie hatten einen guten Start und einen guten Übergang. Kurz vor der 1.500-Meter-Marke war der Tank aber leer“, sagte Bundestrainer Christian Viedt und ergänzte: „Die Beiden haben die Power, aber nicht für vier Rennen an drei Tagen.“

Weitere Stimmen

Ralf Holtmeyer (Leitender Ruder-Bundestrainer): „Es war vielleicht knapper, als wir gedacht hatten. Letztendlich haben wir durch unsere Erfahrung den Sieg herausgeholt. Ab der Streckenmitte haben wir die Initiative übernommen, doch wir müssen beim Start gucken, dass wir uns unsere Stärke nicht nehmen lassen. Generell sind wir gut gefahren, aber wir müssen weiter hart arbeiten und ein Stück mehr drauf legen.“

Malte Jakschik: „Das war nicht unser bestes Rennen, aber über den Willen und Kampfgeist haben wir ordentlich was bewegt. Am Ende war bei beiden Booten der Ofen aus, die Australier waren auch nicht mehr frisch. Das Positive, was wir mitnehmen, ist, dass wir auch in einem schlechteren Rennen noch die Bugspitze vorne hatten. Mit den Australiern müssen wir bei der WM auf jeden Fall rechnen, das wird dann wieder ein fieser Kampf.“

Hannes Ocik: „Die Australier haben uns von Beginn an ordentlich unter Druck gesetzt. Über die Strecke konnten wir das Rennen gut umbiegen, aber hinten heraus fehlte die Kraft, damit wir uns noch deutlicher absetzen. Das Feld ist besser geworden, die Leistungsdichte größer. Wir haben uns auch gesteigert, aber das fällt nicht so auf, wenn die anderen Nationen auch so gut dabei sind. Das Rennen hat uns gezeigt, dass wir weiter konstant arbeiten müssen.“

Johannes Weißenfeld: „Das war technisch nicht unsere beste Leistung. Wir sind nicht besonders gut ins Rennen gekommen und haben uns nur über Kampf und Entschlossenheit reingearbeitet. Am Start haben wir uns etwas aus der Ruhe bringen lassen, aber das Endergebnis stimmt. Das Rennen hat uns gezeigt, welche Schwächen wir noch haben und was wir noch verbessern müssen.“

 

Ergebnisse

Weltcup-Finale in Luzern:

Achter, Finale:

1. Deutschland-Achter
(Hannes Ocik, Richard Schmidt, Malte Jakschik, Jakob Schneider, Torben Johannesen, Maximilian Planer, Felix Wimberger, Johannes Weißenfeld, Martin Sauer)
5:31,81 Minuten

2. Australien1
5:31,95 Minuten

3. Niederlande1
5:33,72 Minuten

4. USA
5:37,41 Minuten

5. Neuseeland
5:38,17 Minuten

6. Kanada
5:38,39 Minuten

Vierer ohne Steuermann, Finale

1. Australien
5:51,40 Minuten

2. Niederlande
5:55,14 Minuten

3. Südafrika
5:58,22 Minuten

4. Großbritannien
6:00,71 Minuten

5. Russland1
6:01,88 Minuten

6. Deutschland (Felix Drahotta, Peter Kluge, Nico Merget, Felix Brummel)
6:02,86 Minuten

Zweier ohne Steuermann, B-Finale

1. Spanien2
6:40,42 Minuten

2. Kroatien1
6:41,66 Minuten

3. Irland1
6:43,27 Minuten

4. Großbritannien2
6:43,70 Minuten

5. Deutschland1 (Laurits Follert, Paul Schröter)
6:46,31 Minuten

6. Niederlande2
6:46,39 Minuten

 

Text: Carsten Oberhagemann und Felix Kannengießer

Quelle: www.deutschlandachter.de

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